SE 106: Niederlande, Marina Oolderhuuske, Länderunterschiede

Im vierten Teil der Holland-Reise versuchen Sven und Cornelis zu ergründen, was andere Kulturen im Vergleich zur eigenen Kultur eigentlich attraktiver macht – oder auch nicht. Die Niederlande dienen hier als Beispiel, angefangen bei schwimmenden Häusern in der Nähe von Roermond über die Frage, ob das Gras auf der anderen Seite nicht immer grüner ist bis hin zu sprachlichen Differenzen zwischen den Kulturen.

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4 Gedanken zu „SE 106: Niederlande, Marina Oolderhuuske, Länderunterschiede

  1. Pingback: Die letzten und nächsten 24h, Freitag, 05.06.2015 | die Hörsuppe

  2. Holland und Deutschland sind sich so nah und gleich wie kaum zwei andere Länder. Vielleicht fallen einem besonders deshalb die vielen unterschiedlichen Details auf. Und es ist doch verwunderlich, warum man die Grenze der Länder an den Unterschieden der Kulturen erkennen kann, wo es doch schon so lange so viel Austausch, Grenzverkehr und Partnerschaft zwischen beiden Ländern gibt.

    Dass „der Holländer an sich“ dem Neuen sehr aufgeschlossen ist und Veränderungen nicht scheut, sehe ich auch so. Ich glaube, man kann das aus der Geschichte herleiten. Die Holländer sind als Seefahrer zu Ruhm gekommen und hatten daher, anders als Deutschland, stetig Neues aus fernen Ländern mit nach Hause gebracht. Sie waren meines Wissens lange Zeit die einzigen Europäer, die mit Japan gehandelt haben. Nur die Holländer wurden von Japan akzeptiert weil sie nicht missioniert haben. Das ist für sich vielleicht schon ein entscheidender Punkt. Nur wenn man das Unbekannte nicht bekämpft oder bekehrt, kann man es sich zu Nutze machen.

    Und so haben sich die Holländer zu gigantischen Veränderungen getraut. Es gibt das Sprichwort: „Der Liebe Gott schuf die Welt. Und der Holländer schuf Holland.“ Und wie! Landschaft und Natur sind in Holland zu Gunsten des Hochwasserschutzes abgeschafft. Alles ist rechtwinklig, gerade und vom Ingenieur erschaffen. Wenn man in tausend Jahren auf die menschliche Kultur schaut, wird man sieben Weltwunder ernennen. Eines davon sicher der gigantische Abschlussdamm. Was das für Auswirkungen auf Mensch und Natur hat, kann man nicht in Worte fassen. Da wurde von einem Tag auf den anderen ein Ozean zum See. Was haben da wohl die Heringsfischer zu gesagt? Und hier gibt es schon Volksaufstände, wenn irgendwo ein popeliger Maststall errichtet wird.

    Aber es gibt auch Dinge, die der Holländer nicht durch Neuheiten ersetzt. Das Wohnen zum Beispiel. Die Häuser haben immer den gleichen Grundriss. Und in diesem Grundriss steckt auch das ganze Wohn- und Lebenskonzept. Die Schlafräume sind oben. Dort sind die Zimmer, auch wegen der Dachschräge so klein, dass man dort außer Schlafen nichts tun kann. Es spielt sich alles im Wohnzimmer ab. Das Wohnzimmer ist immer offen mit der Küche zu einem großen Raum verbunden. Wenn man abends in Holland durch die großen Fenster glotzt, sieht man die ganze Familie zusammen im Wohnzimmer. Der Papa guckt Fernsehen, die Mama macht Kreuzworträtsel und der Teenager sitzt mit seinem Laptop am Tisch und verpasst seinem Kumpel am anderen Ende des Internets via Counterstrike einen Kopfschuss.
    In Deutschland macht jeder so seins und man ist froh, dass man die Türen zu machen kann. Jedenfalls ist es undenkbar, dass der Teenager mit seinen Eltern gemeinsam Tatort guckt. Vielleicht kommt das mal an Weihnachten vor.
    Ich habe mal einen Holländer gesprochen, der meinte, dass sein größter Traum ein „Deutsches Haus“ sei. Das kann ich verstehen. Das „Holländische Haus“ bietet kaum mehr Komfort als ein Wohnwagen. Hier ist ein großes Badezimmer mit Fenster ein beliebtes Statussymbol. In Holland bleibt solcher Luxus wohl nur der Königin vorbehalten.

    Sehr interessant wird es, wenn man die Holländer fragt, was sie an Deutschland lieben. Natur, Berge, Schweinshaxe mit Sauerkraut, toll ausgestattete Ferienhäuser, … Vieles davon könnte der Holländer im eigenen Land jeden Tag haben. Macht er aber einfach nicht. Oder nur ganz langsam. Bei den Autos traut man sich in Holland mittlerweile auch mal einen BMW vor die Tür zu stellen. Das ist glaube ich ein neuer Trend. Die klitzekleinen japanischen Zweitürer sind wohl noch immer das Volksauto des Holländers.

    Ich hoffe, das klingt jetzt sehr kompetent. Das sind aber einfach so die Dinge, die ich sehe und daraus versuche einen Schuh zu machen.

    • Vielen Dank für deinen Kommentar. Hatte beim Lesen einige Schmunzler und aufschlussreiche Aha-Momente. Ich fürchte ich werde nie wieder durch eine niederländische Gasse gehen können, ohne hinter den großen „Schaufenstern“ nach dem Counterstrike-Teenager Ausschau zu halten. 😉

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